Apfelsaft, Kräutertee & Walnüsse - unsere Wintergenüsse 2016

Autorin: Alexandra Matissek-Schild

Mit Spannung erwarten wir die große Apfelernte. Nach dem Beschneiden der Bäume sind sie regelrecht explodiert. Es werden hauptsächlich Saftäpfel. Das aber zu Tausenden! Die Maßnahmen zur Stärkung gegen Pilzbefall - der zu jedem Apfelbaum gehört, der typische Schorf - werden erst auf Dauer Wirkung zeigen. Das Pflanzen von Schnittlauch rund um die Bäume. Und dass ich im Frühjahr jede Menge Schachtelhalm-Tee gebraut hatte, verjaucht und dann an die Bäume gesprüht. Viel Arbeit mit kleiner Hoffnung auf Erfolg.

Zunächst gibt es erst einmal Zwetschgen und natürlich Birnen, für die das Spadenland berühmt ist. Im Frühjahr leuchtet es überall: Birnenblüten wie weiße Edelsteine. Erst einmal senst Ole den Weg frei, auf dem neuen Obstland - getauft: Apfelinsel -  steht alles voller Brennesseln. Lecker und gesund für unseren Kräutertee! Fies aber beim Fallobst sammeln. Petra stellt köstlichste Birnenmarmelade und Apfelmus aus den ersten Sommeräpfeln her. Der Tiefkühlschrank ist gut gefüllt für den Crumble und andere Kuchen für den Offenen Hof - auch im Winter.

Gut, dass der Saftpresser - der nun auch ein Öko-Label hat - schon im Spätsommer zu pressen anfängt. Fast jede Woche fahren wir jetzt - überladen mit duftenden Saftäpfeln - zu einem Hof bei Lüneburg, wo er sein fahrbares Saftmobil hat. Das geht nun so weiter bis zum Ende des Herbstes. Denn es waren so viele Äpfel, dass wir sie auch mit unseren fleißigen WWOOFern Vincent und Laura neben der Feldarbeit gar nicht bewältigen konnten. Eine Foodsharing-Aufruf brachte Abhilfe - danke an alle, die den Weg zu uns gefunden haben!

Ergebnis all der Mühen: Der beste Apfelsaft der Welt - wie uns immer wieder alle bestätigen, von Nachbarn bis zum skeptischen Verpächter. „Und das von unseren Äpfeln, diesen alten Dingern?“ Gerade das! Alte Sorten, verschiedene Säuren, intensive Aromen. Unser Apfelsaft ist unser bestes Stück!

Unsere Riesenwalnüsse sind aber auch nicht von schlechten Eltern. Die Bäume haben reich getragen. Auch wenn ein Teil unbrauchbar durch die Moniermotte geworden war, sammelten wir zweimal täglich, bevor Eichhörnchen - flink und den Winter vor Augen - alle verschleppen konnten. Wochenlang lag das ganze Haus voller Nüsse, die zweimal täglich gewendet werden mussten, um sie auf Dauer haltbar zu machen. Der Lohn: Die leckersten Walnüsse, die wir je gegessen haben. Und die Größten sowieso.

Der Offene Garten geht auch im Herbst weiter. Vincent, unser "Langzeit-WWOOFer", bereichert unsere Kuchentafel mit einem französischen Familienrezept: dem legendären "Baba Au Rhum". Der bleibt!  Als im Oktober das Ende des Offenen Gartens - mittlerweile der Offenen Küche - naht, sind alle einer Meinung: Dass es weitergehen soll. Es gibt Stammkunden, die uns samstags regelmäßig besuchen und von unseren Kuchen schwärmen - das beglückt uns. Auch wir lieben das Schwelgen und Plauschen so sehr, dass wir die Saison bis Weihnachten verlängern.

Wenn wir nicht draußen ackern können, weil das Wetter nicht mitspielt, widmen wir uns drinnen unseren verschiedenen Kräutertee-Mischungen. Im Sommer und Frühjahr gesammelt, werden sie jetzt gemischt und per Hand abgepackt. Je nachdem, was die Saison hergegeben hat, entstehen Mischungen wie "Abendsegen" oder "Morgenherz". Beliebt sind auch Tees wie der "Alles neu" oder "Frauensonne" - einen unserer Kräutertees findest Du immer bei unserem Offenen Garten, so dass Du schon mal probieren kannst :)

Am Ende des Jahres gab es dann aber doch noch mal einen kleinen Schreckmoment: Unangemeldet steht die Prüferin von der Ökokontrollstelle vor der Tür, mein Herz rast gewaltig. Alles korrekt? Alles eingeschlossen, was eingeschlossen gehört? Das sowieso immer, es gibt bei uns nämlich genug „Raben“! Die haben schon Radieschensamen mitgehen lassen, allerlei Geräte und eine Schubkarre fehlt leider auch. Manches taucht dann ganz plötzlich wieder auf.  Was ist mit dem zu spritzendem Neem-Öl, das die Schädlinge auf dem Rosenkohl nicht mögen? Es ist im vorgesehenen Schrank. Und die Unterlagen? Ich hab doch so eine Sauklaue! Kein Problem. Erntemengennachweise? Sind da. Trotzdem, Ämterdinge machen mich fertig. Überstanden! Alles vorbildlich, kaum zu glauben.

Wir sind erleichtert. Und nun im zweiten Jahr der Umstellung zur Anerkennung als ökologischer Betrieb! Stolz. Dass wir das machen, mit allen Handicaps, mit diesem Unfall, mit diesen ganz unterschiedlichen Biographien und Erfahrungen, ist immer noch kaum zu glauben. Aber da steht es schwarz auf weiss. Darauf einen frisch gepressten Apfelsaft!

Autorin: Alexandra Matissek-Schild

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